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-=- Kapitel 8: Bereit für den Kampf -=-
Was auch immer aus dem Pokeball kommen würde, es konnte nichts Gutes sein. Kim stand ebenso kampfbereit hinter mir wie ich, ich konnte ihre Anspannung riechen.Es kam mir wie in Zeitlupe vor, als der Mann im schwarzen Anzug erst zu dem Pokeball griff und ihn dann in einer eleganten Drehung in die Luft warf. Der Pokeball machte ein klickendes Geräusch und gab dann in einem roten Blitz ein Pokemon frei. Mein Knurren wurde lauter und ich fletschte bedrohlich die Zähne (wie bedrohlich auch immer ein kleines Vulpix mit gefletschten Zähnchen wirken konnte). Meine Muskeln waren zum Zerreißen gespannt. Gleich würde der Kampf beginnen!
"Snibunna!", rief das Pokemon. Sehr gut, ein Unlicht-Eis Typ! Da hatte ich zumindest einen Vorteil. "Ich überlasse dir den Vortritt", sagte der Mann in Schwarz lächelnd. Dieser arrogante Typ! Dem würde ich am liebsten sein Lächeln aus dem Gesicht schmelzen! "Okay Kuna, zeig ihm mal deinen Flammenwurf!", rief Kim. Ich sammelte ein wenig Hitze in meiner Schnauze und feuerte (im wahrsten Sinne des Wortes) meinen Flammenwurf auf das Snibunna ab. Doch die Attacke traf nur den Schreibtisch, der prompt in Flammen aufging und sogleich wieder von einem Schiggy gelöscht wurde. Das Snibunna war verschwunden! Irritiert blickte ich mich um. Da! Wieder ein Flammenwurf mit höchster Stärke. Doch das Pokemon war schon wieder ausgewichen. "Schlitzer", sagte der Mann nur.
Das Pokemon war viel schneller, als ich reagieren konnte. Von einer Sekunde auf die andere stand es direkt vor mir und traf mich mit der Attacke gegen die linke Flanke. Ich wurde von der Wucht des Schlitzers ein paar Meter durch die Luft geschleudert und landete ziemlich unsanft auf dem harten Marmorboden. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte ich mich wieder auf die Pfoten. Kim vertraute doch auf mich! "Nun gut, versuchs mal mit Konfusstrahl! Vielleicht kann es dann nicht mehr so gut ausweichen", befahl sie. Ich schloss die Augen und beschwor die kleine schwarze Kugel hervor. Mit meinen Gedanken steuerte ich sie direkt auf das Snibunna zu, doch schon wieder wiche es einfach aus. Die Kugel folgte ihm, doch es war zu schnell. Lange würde ich die Attacke nicht mehr aufrechterhalten können. "Noch mal Schlitzer!" befahl der Mann kalt und bevor ich meine Augen wieder öffnen konnte, flog ich durch die Luft. Dieses verfluchte Snibunna! Es war einfach zu schnell! Diesmal hatte es meine rechte Flanke erwischt.
Meine Schultern schmerzten, als ich wieder mühsam aufrappelte. Lange hielt ich das nicht mehr durch. Aber ich war doch Kims einzige Hoffnung! Wenn ich versagte, würden Kim und ich wieder getrennt werden. Ich schüttelte den Kopf und biss die Zähne zusammen. Soweit würde ich es nicht kommen lassen. Es kam nur auf die Motivation an. "Versuchs jetzt mal mit Ruckzuckhieb", rief Kim nun schon ein wenig verzweifelt. Ihr war die ernste Lage ebenso bewusst wie mir. Ich ignorierte meine schmerzenden Schultern und rannte im zickzack auf das andere Pokemon zu. Das Snibunna verzog die Mundwinkel nach oben und wich ebenso selbstverständlich aus wie zuvor. Das konnte doch nicht wahr sein! Wieso schaffte ich es nicht, dieses blöde Pokemon auch nur ein einziges mal zu treffen? "Eishieb!", befahl der Mann und im nächsten Moment wurde ich von etwas sehr kalten getroffen.
"Kuna!" Das Pokemon bewegte sich nicht mehr. Sie stand stocksteifgefroren da, wo das Snibunna sie erwischt hatte. "Komm schon, versuch dich mit der Glut-Attacke freizuschmelzen! Bitte, geb jetzt nicht auf! Kuna!" Sie wusste nicht einmal, ob das Pokemon sie überhaupt hörte. Doch das war Kim egal. Sie waren zusammen unbesiegbar, es konnte doch jetzt nicht so enden! "Komm schon, tau auf", flüsterte sie und die Wölfin, die immer noch ängstlich hinter ihr stand, leckte ihr tröstend über die Hand. Auf einmal entstand ein kleiner roter Punkt direkt an Kunas Schnauze. Erst war er kaum zu sehen, doch er wurde immer größer, bis er schließlich die Größe einer Erbse erreichte. In einer kleinen Explosion flogen Eisscherben durch die Luft und Kim musste sich ducken, um nicht aufgespießt zu werden. Als sie wieder aufsah stand Kuna vom Eis befreit und schwer atmend in der Mitte des Raumes. Sie hatte es also geschafft! Doch sie sah so erschöpft aus. Sich aus dem Eis zu befreien hatte sie zu viel Energie gekostet.
"Kim, nimm das hier!", rief ihr Vater plötzlich von seinem Sessel aus und warf einen roten Gegenstand durch die Luft. Die zwei Männer neben ihm griffen nach seinen Armen und drückten sie auf die Sessellehne. Der Gegenstand jedoch bleib ein paar Meter vor Kim auf dem Boden liegen. Sofort hechtete einer der Männer los und versuchte, ihn wieder einzusammeln, doch die Wölfin machte auf einmal einen Satz und sprintete zu dem Gegenstand am Boden. Der Typ hielt mitten im Lauf inne und schien es sich angesichts der spitzen Fänge des Tieres anders zu überlegen. Ohne Kuna und das Snibunna aus den Augen zu lassen, ging sie zu der Wölfin und hob den Gegenstand auf. Es handelte sich um einen kleinen roten Stein, in dessen mitte eine Flamme zu lodern schien. Ein Feuerstein.
Was sollte sie damit? Sie wusste zwar, dass man damit ein Vulpix weiterentwickeln konnte, doch sie hatte nie darüber nachgedacht, Kuna zu einem Vulnona weiterzuentwickeln. Bisher war sie immer stark genug gewesen und Kim hatte gar keinen Grund gehabt, sich einen Feuerstein zu besorgen. Sie hatten zwar nicht immer gewonnen, aber auch das gehörte zum Trainer-Dasein dazu. Doch diese Situation war jetzt eine ganz andere. Die Folgen einer Niederlage wären weitaus höher als draußen in der Wildnis, wo ihr ein wildes Pokemon vielleicht entwischt wäre oder sie einem Trainer ein wenig Preisgeld geben musste. Sie würden ihr Kuna und die Wölfin wieder wegnehmen und sie einsperren, diesmal aber richtig. Es wäre nur vernünftig, den Feuerstein zu benutzen. Und dennoch sträubte ich Kim dagegen. Sie könnte die Entwicklung nicht mehr rückgängig machen und sie hatte Angst, dass Kuna dann nicht mehr so war, wie vorher. Es gab Pokemon, die nach einer Entwicklung eine ganz andere Persönlichkeit hatten und sich nicht mehr von ihrem Trainer kontrollieren ließen. Sie könnte es sich nie verzeihen, wenn Kuna sich auf einmal von ihr abwenden würde.
Ein lauter Schrei holte Kim aus ihren Gedanken. Eine weitere Attacke Snibunnas hatte Kuna wieder durch die Luft fliegen lassen, doch dieses mal sah es nicht so aus, als ob sie wieder aufstehen könnte. "Kuna!", rief Kim verzweifelt. Was sollte sie nur machen? Ihre beste Freundin wurde gerade vor ihren Augen zu Kleinholz verarbeitet und sie konnte nichts tun! Ihre einzige Hoffnung war dieser blöde Stein. Doch Kim wusste nicht, ob sie genug Mut hatte, ihn einzusetzen.
Etwas kaltes, feuchtes berührte sie an der Handfläche und sie drehte sich um. Die Wölfin stand immer noch neben ihr und blickte sie an. Der panische oder angstvolle Ausdruck in ihren Augen war verschwunden. Stattdessen war eine Weisheit in ihnen, die Kim vorher noch nie aufgefallen war. Obwohl sie hier fremd war, schien sie zu verstehen, in welchem Zwiespalt Kim sich befand. Sie blickte sie voller Wärme und Zuversicht an und stupste dann mit der Schnauze noch einmal gegen die Hand, in der der Feuerstein lag. "Danke", flüsterte Kim und strich durch das weiche Fell der Wölfin. Sie wusste nun, was zu tun war.
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