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-=- Kapitel 6: Wiedersehen -=-
Der Mann zerrte Kim wieder durch einige Gänge, Türen und Fahrstühle. Irgendwie sah für das Mädchen jeder Gang gleich aus und sie verlor schnell die Orientierung. Selbst wenn der Mann im schwarzen Anzug ihr nicht gedroht hätte, Kuna etwas anzutun, würde sie hier nicht rausfinden können. Das lag vor allem auch daran, dass es hier keinerlei Fenster gab und Kim keine Ahnung hatte, in welchem Stockwerk sie sich befand. Das fehlende Sonnenlicht tat sein übriges dazu bei, dass sie jegliches Zeitgefühl verlor. Normalerweise schaute sie auch auf ihren Pokedex, um die Uhrzeit zu erfahren, doch den hatte sie mitsammt ihrem übrigen Gepäck im Pokemon-Center gelassen. Das einzige, was sie im Moment noch besaß waren die Kleider, die sie im Moment am Leib trug.
Sie blieben schließlich vor einer unscheinbaren Tür stehen. Für sie sah dieser Gang wie jeder andere aus, genauso wie die Tür. Der Typ betätigte einen Knopf an der Wand und die Tür fuhr mit einem Klicken in die Wand. Dahinter befand sich ein kleiner Raum, ausgestattet mit einem Bett an der rechten Seite, sowie einem einfachen Holztisch mit zwei Stühlen davor und einen großen Schrank gleich links neben der Tür. Der Typ deutete auf ein Telefon, das gleich neben dem Schrank an der Wand hing. "Da ist das Telefon von dem der Boss gesprochen hat. Falls du etwas brauchst, die Nummern stehen auf einem Zettel auf dem Tisch." Mit diesen Worten verließ der Typ den Raum und schloss die Tür hinter sich. Kim blieb allein zurück.
Nun, da sie allein war, übermannte sie ein Gefühl der Leere, das nur schwer zu beschreiben war. Kim brach an Ort und Stelle zusammen und übergab sich ihren Tränen, die kein Ende mehr zu nehmen schienen. Warum hatte ihr Vater ihr dies angetan? Kuna und dieses Wesen, das der Mann im schwarzen Anzug "Tier" genannt hatte, befanden sich in der Gewalt dieser Widerlinge, genauso wie sie selbst. Sie fühlte sich so einsam wie nie zuvor und wünschte sich mehr als alles andere, dass Kuna bei ihr wäre. Ohne Kuna fühlte sie sich so leer und unvollständig. Egal was passiert war, Kuna war immer da gewesen, solange Kim sich zurückerinnern konnte. Und nun...
Kim konnte sich nicht erinnern, wie sie in das Bett gekommen war, doch irgendwann war sie wohl vor Erschöpfung eingeschlafen. Ihr kamen die Ereignisse nur noch vor wie ein böser Traum, doch die Tatsache, dass Kuna nicht da war, holte sie wieder in die Realität zurück. Doch Trübsal blasen half jetzt auch nicht weiter! Sie musste etwas unternehmen und zwar sofort! Wer weiß, was die mit Kuna und vor allem mit dem Wesem anstellten! Sie wollte gerade von dem Bett aufspringen, als es an der Tür klopfte. Verdutzt hielt Kim inne. Wer konnte das denn sein? Kim schnaufte. Wer auch immer es war, er oder sie gehörten zu dieser Bande von Typen, die Kuna, sie und das Wesen entführt haben.
Ohne eine Antwort abzuwarten verschwand die Tür mit einem leisen Klicken in der Wand und die Person, die Kim im Moment am allerwenigsten sehen wollte, trat ein. Sofort verhärtete sich ihre Miene. "Was willst du denn hier?", fragte sie schroff. Ihr Vater blickte sich kurz in dem Raum um und setzte sich dann auf einen der Stühle. "Ich wollte mit dir reden", sagte er nur. Kim schnaufte abfällig. "Ja klar..." Ihr Vater sagte nichts dazu und Stille bereitete sich aus in dem kleinen Raum. Es war so leise, dass Kim den Herzschlag ihres Vaters hören konnte. Warum um alles in der Welt war er hergekommen? Er müsste doch eigentlich wissen, dass sie ihn nicht mehr sehen wollte!
"Hör mal Kim, was da passiert ist tut mir wirklich Leid. Ich wusste nicht, dass der Kommandant so hart durchgreifen würde. Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, dass du den Wolf ohne Theater zu machen rausrückst." Ihr Vater fingerte sich nervös über seinen Schnauzer. "Dann kennst du mich aber sehr schlecht", gab Kim protzig zurück. Was hatte er denn erwartet? Dass sie ihn mit einem Lächeln im Gesicht zu ihrem neuen Freund führen würde? Woh kaum, sie wusste immerhin um seine nicht ganz unumstrittenen Forschungsmethoden. "Weißt du, ich arbeite schon seit einiger Zeit an diesem Projekt. Dieses Wesen war das erste, das wir aus der anderen Welt hinübertransverieren konnten. In der dortigen Welt gibt es keine Pokemon, sondern sogenannte "Tiere". Im Gegensatz zu unserer Welt kämpfen die Menschen dort nicht mit dem Tieren, sondern leben vielmehr mit ihnen. Außerdem gibt es weit mehr verschiedene Tiere als Pokemon. Dieses Tier, mit dem du dich angefreundet hast, ist ein sogenannter Wolf. So wie es aussieht, haben wir ein Weibchen erwischt. Patricio plant, noch mehr Tiere in diese Welt zu holen und damit die Welt zu beherrschen. Offenbar weiß er nicht, dass sich sich Tiere nicht wie Pokemon kontrollieren lassen. " Ihr Vater seufzte tief. Was wollte er ihr damit sagen? Glaubte er wirklich, dass er sie damit wieder auf seine Seite ziehen konnte? Kim sagte nichts, sondern starrte ihn weiterhin wütend an. Ein paar Minuten vergingen, doch keiner sagte ein Wort, bevor ihr Vater schließlich aufstand. Er blickte noch einmal zu ihr und verließ dann ohne ein weiteres Wort den Raum.
Kim war nach diesem Gespräch viel zu aufgewühlt, um wie vorher geplant durch das Gebäude zu schleichen und Kuna zu suchen. Obwohls ja eher ein Monolog seitens ihres Vaters war. Das Wesen kam also aus einer anderen Welt. Als sie klein war, hatte sie sich oft vorgestellt, mit Kuna in eine andere Welt zu reisen und dort Abenteuer zu bestehen, doch mittlerweile war sie 16 und eigentlich zu alt für solche Märchen. Wenn sie den (Wie nannte ihr Vater das Wesen noch gleich? Wolf?) nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte sie es auch als solches abgetan. Doch er lebte und sie hatte ihn mit ihren eigene Augen gesehen und sogar gestreichelt. Sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Was ihren Vater anging, so würde sie ihm sowieso nie wieder vertrauen!
Es waren einige Stunden vergangen (zumindest fühlte es sich für Kim so an, sie hatte ja keine Uhr), als es abermals an der Tür klopfte. "Wer könnte das nur sein?", murmelte Kim und ihre Stimme triefte vor Sarkasmus. Wie nicht anders erwartet, trat ihr Vater ein, doch dieses mal hatte er etwas hinter seinen Rücken versteckt. "Was willst du denn noch hier?", fragte Kim und wandte das Gesicht ab. Ihr Vater sagte sichts, sondern holte etwas hinter seinen Rücken hervor, doch was konnte Kim nicht erkennen, sie hatte ja das Gesicht abgewandt. Eine bekannte Stimme ließ sie jedoch in Lichtgeschwindigkeit wieder herumfahren. Konnte das etwa...?
"KUNA!" Ihr Vater öffnete den vorderen Teil des Käfigs und das kleine Pokemon schoss heraus, direkt in Kims Arme. Sie kuschelte sich eng an sie und rieb ihren Kopf an Kims tränenübersträmten Gesicht. "Oh Kuna..." Kim wusste nicht was sie sagen sollte, jedes Wort wäre zuviel gewesen. Sie drückte nur ihre Freundin nur ganz fest an sich und war froh, dass sie endlich wieder da war. "Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht", flüsterte sie und Kuna stupste ihr zärtlich ins Gesicht. Kim musste lächeln und strich durch Kunas weiches Fell. Endlich haben sie wieder zueinandergefunden.
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