-=- Kapitel 4: Unerwarteter Besuch -=-
Ein paar Tage waren vergangen und Kims ganzes Taschengeld aufgebraucht. Normalerweise wäre sie weitergereist, denn durch das Gewinnen von Pokemon-Kämpfen bekam sie immer etwas Geld, doch sie hatte Angst, dass das Wesen ihr nicht folgen und verhungern würde. Also blieb sie erst einmal in der Stadt und kümmerte sich um es. Da sie es nicht in einem Pokeball einfangen konnte, musste sie sich etwas anderes einfallen lassen. Doch im Moment blieb ihr nichts anderes übrig, als jeden Tag zum gleichen Ort im Wald zu kommen und zu hoffen, dass es wiederkam. Dieses Wesen, für das sie immer noch keinen Namen hatte.

"Wenn ich doch nur wüsste, was du bist", murmelte Kim. Es war bereits später Nachmittag und sie hatte dem Wesen mal wieder etwas zu Fressen mitgebracht. Die Schwester aus dem örtlichen Pokemon-Center hatte sich bereit erklärt, Kim etwas von dem Fleisch aus dem Lager zu überlassen, wenn diese ein wenig im Pokemon-Center aushalf. Die Trainerin war froh darüber, sie hatte immerhin kein Geld mehr, um welches zu kaufen.
Etwas kaltes berührte sie im Gesicht und riss Kim aus ihren Tagträumen. Das Wesen stand mit wedelnder Rute direkt vor ihr und blickte sie aus großen Augen an. Kim musste lachen und strich mit der Hand durch das inzwischen wieder glänzende Fell. Es hatte auch gut zugenommen und war nicht mehr so dürr wie am Anfang. Wenn es so weiterging war es bald vielleicht kräftig genug, um sich selbst zu versorgen, wobei Kim natürlich insgeheim hoffte, dass es ihr folgen würde, wenn sie weiterreiste. Ewig konnte sie ja leider nicht hier bleiben, so gern sie es auch täte.

Es war schon dunkel, als Kim ins Pokemon-Center zurückkehrte. Sie war so müde, dass sie den Mann, der es sich auf einem der vielen Sofas des Centers gemütlich gemacht hatte, erst gar nicht bemerkte. "Also Kim, hast du mich etwa so lange nicht mehr gesehen?", scherzte er. Einen Augenblick lang blieb die Trainerin wie angewurzelt stehen, bevor sie sich langsam zu der Stimme umdrehte. "Pa!", rief sie überglücklich und warf sich ihm in die Arme, "Was machst du denn hier?" "Nun ja, ich wollte mal schauen, was du so treibst", antwortete er mit einem Lächeln. Mit dieser Antwort musste sich Kim leider zufrieden geben, denn auch nachdem sie wiederholt nachfragte, antwortete ihr Vater stets ausweichend. "Warum bist du eigentlich noch hier? Wolltest du nicht eine Pokemonreise machen?", fragte er nach einer Weile. Kim zögerte. Innerlich sträubte sie sich ein wenig, ihrem Vater zu erzählen, dass das Wesen ganz in der Nähe war. Sie wusste, wie er mit "Versuchsobjekten" umging. "Nun ja", begann sie,"Dieses Ding von dem ich dir erzählt habe... Ich gehe jeden Tag in den Wald, um es zu füttern. Es war ganz abgemagert." Ihr Vater tat überrascht, doch Kim erkannte sofort, dass er so etwas erwartet hatte. "Meinst du, du könntest mich mal... Mitnehmen zu ihm", fragte er schon ein kleines bisschen zu beiläufig.

"Nein!", erklärte Kim entschieden. Sowas hatte sie sich schon gedacht. Typisch ihr Vater. Doch sie würde ihn nicht zu dem Wesen führen, darauf konnte er Gift nehmen. "Ach komm schon Kim, ich tue ihm bestimmt nichts", bettelte er, doch die blieb stur. "Ich werde dich keine fünfzig Meter an das Wesen heranlassen, dass das klar ist!", stellte sie klar und stürmte nach oben in ihr Zimmer. "Kim!", rief ihr ihr Vater noch nach, doch sie hörte ihn bereits nicht mehr.
In ihrem Zimmer entließ sie erst einmal Kuna aus ihrem Pokeball. Die reckte sich genüsslich und sprang dann auf Kims Schoß,wo sie sich von ihrer Trainerin streicheln ließ. "Weißt du Kuna, eigentlich hätte ich es wissen müssen. Aber woher soll ich denn ahnen, dass das Ding für Pa wichtig genug ist, ganz hierher zu fahren?" Das Vulpix schaute sie tröstlich an und stupste ihr dann gegen die Nase, als wolle sie sagen 'Ist ja nicht deine Schuld'. Kim lächelte dankbar und drückte Kuna ganz fest an sich.

Als Kim und Kuna am nächsten Tag zum Frühstück hinuntergingen, war Kims Vater bereits abgereist. Kim war froh darüber, sie wollte nicht mit ihrem Vater darüber diskutieren, warum sie ihn nicht zu dem Wesen brachte. Nach dem Frühstück halfen die Zwei noch Schwester Joy bei der Arbeit, bevor sie sich wieder ein wenig Fleisch aus der Vorratskammer holten und sich zu dem Wesen aufmachten.
Wie immer wurden sie stürmisch von ihm begrüßt. Mit der Rute wedelnd tanzte es um sie herum und schnupperte neugierig an ihrem Rucksack. "Jaja, ist ja gut, du bekommst ja gleich was zu fressen", lachte Kim und kramte das Fleisch für ihren Freund heraus. Doch anstatt das Futter auch nur anzurühren, stellte sich sein Nackenfell auf und es begann bedrohlich zu knurren. Verdutzt drehte Kim sich um. Hinter ihr stand ihr Vater. Und er war nicht allein...

"Was machst du hier?", fragte Kim in einem bedrohlichen Unterton und stellte sich schützend vor das Wesen. Kuna stellte sich bekräftigend neben sie. "Das weißt du genau meine Süße. Und jetzt geh zur Seite!", antwortete ihr Vater in einem schmeichelnden Unterton. Doch Kim schüttelte den Kopf. "Du weißt genau, dass ich das niemals machen würde. Deine Forschungen sind mir egal, ich weiß genau, was du ihm antun würdest!", schrie sie ihm entgegen. Einer der Männer, die neben ihrem Vater standen, flüsterten ihm etwas ins Ohr, doch er stieß ihn wütend weg. "Hier geht es nicht nur um meine Forschung", versuchte er zu erklären, doch Kim hörte ihn nicht zu. "Hör zu Kuna, wenn ich jetzt sage rennen wir los", flüsterte Kim und ihr Pokemon bekräftigte die Entscheidung mit einem Kopfnicken. "Jetzt!"

Wie aus der Pistole geschossen rannten die Zwei los, in die entgegengesetzte Richtung. Das Wesen folgte ihnen ohne große Mühe, anscheinend lief es öfter so schnell. Die Männer folgten ihnen mit viel Geschrei, sodass sie bestimmt den halben Wald aufschrecken würden. Kim lächelte in sich hinein und rannte weiter. Sie kannte diesen Wald. Ihr Vater und seine merkwürdige Bekanntschaft würden sie nicht kriegen. Leider wurde sie schnell eines Besseren belehrt. Kuna und das Wesen entdeckten die versteckten Männer in den Büschen schon vor Kim, zum Bremsen war es trotzdem schon zu spät, sodass sie den schwarz gekleideten Männern direkt in die Arme lief. "Lasst mich los, ich warne euch! Kuna, Glut!" Ohne zu zögern verbrannte Kuna dem Typen den Allerwertesten und dieser ließ vor Schreck das Mädchen wieder los. Leider hatte sie die Aktion viel zu viel Zeit gekostet, denn sie waren bereits von den Typen in Schwarz umringt.

"Kim gib auf, du weißt, dass ich dir nicht wehtun will!" Ihr Vater trat aus den Kreis direkt auf sie zu. Kim spuckte ihm vor die Füße. "Verzieh dich bloß mit deinem Forscherpack! Ich will dich nicht mehr sehen!" "Aber Kim, ich...", stammelte ihr Vater, doch das war ihr gleich. wie konnte er nur? "Zugriff!" Die Stimme des Mannes schnitt durch die Stille wie ein Messer. "Kümmert euch zuerst um den Wolf", befahl er. Kims Gedanken rasten. Was konnte sie nun tun? Vielleicht könnte sie eine Schneise in den Kreis der Männer schlagen? Panisch kramte sie nach den Pokeball. "Schnell Fairy, ich brauche deine Hilfe!" Zwei starke Hände griffen nach ihren Armen und hielten sie hinten fest. Das Wesen wollte sich gerade Zähne fletschend auf ihren Angreifer werfen, als ein Schuß durch den Wald hallte und das Wesen mitten im Lauf mit zitternden Läufen zusammenbrach. Ein Betäubungspfeil ragte aus seinem Hals. "Nein!", kreischte Kim und Tränen stiegen ihr in die Augen. Was konnte denn an diesem Wesen so wichtig sein, dass ihr Vater einen solchen Aufwand darum betrieb?

Kuna startete noch einen letzten verzweifelten Versuch, sie aus der Lage zu befreien, doch das kleine Pokemon hatte keine Chance gegen fünf große Magnayen. Obwohl sie sich tapfer hielt, schleuderte sie die nächste Knirscher Attacke zu Boden, wo sie reglos liegen blieb. "Kuna!", rief Kim und versuchte sich aus dem eisernen Griff zu befreien, als zwei der Männer Kuna in einen kleinen Käfig sperrten. Voller Hass blickte sie zu ihrem Vater. "Wie konntest du nur..." Beschämt senkte er den Blick. "Abmarsch!", befahl der Mann, der schon vorhin den Befehl zum Angriff gegeben hatte und langsam setzten sie sich in Bewegung.


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