-=- Kapitel 3: Das unbekannte Wesen -=-
"Okay Shadow, raus mit dir!",rief Kim und warf den Pokeball hoch in die Luft. Ein roter Blitz erschien und nahm die Formen eines Absol an, das kritisch die Gegend musterte. "Kuna hat gestern von hier aus eine unbekannte Witterung aufgenommen. Als wir ihr gefolgt sind, haben wir dieses Wesen gefunden. Meinst du, du kannst die Witterung wieder aufnehmen?" Das stolze Pokemon schnaufte abfällig. Natürlich konnte er das! Selbst wenn die Witterung älter als eine Woche war, würde er sie wieder aufnehmen können. "Komm, ich führe dich zu der Stelle, wo wir gestern dieses komische Wesen gesehen haben", bot Kuna an. Shadow überlegte ein wenig und nickte dann. "Erzähl mir, was du darüber weißt. Wie stark war der Geruch? Habt ihr eine Ahnung, welchen Typ das Ding hat?" Das Pokemon fragte Kuna auf den Weg zu der Lichtung noch ein wenig aus. Auf die meisten Fragen wusste sie jedoch auch keine Antwort.

Diesmal brauchten sie länger bis zur Lichtung als gestern. Kuna musste mehrmals inne halten und nachschauen, wann sie vom Bach in den Wald abbiegen mussten. Zum Glück fanden sie die richtige Stelle und schon bald darauf waren sie an der Lichtung angekommen. Shadow lief schnüffelnd kreuz und quer über das Gras und suchte den fremden Geruch, während Kuna zu der Stelle ging, wo gestern noch das Wesen gelegen hatte. Schon nach kurzer Zeit hatte das Vulpix die Witterung gefunden und zeigte sie Shadow. Dieser rümpfte erst einmal die Nase. "So etwas habe ich noch nie gewittert. Ich denke, ich kann dem Geruch folgen. Er ist sehr... speziell und daher leicht zu erkennen. Folgt mir." Obwohl ihm eigentlich klar sein müsste, dass Kim nicht ein Wort von ihm verstehen konnte, verschwand er mit einem Sprung im Unterholz und der Trainerin blieb nichts anderes übrig, als, mit Kuna im Schlepptau, hinter ihm her zu laufen.

Immer die Nase dicht am Boden, strich das Absol, gefolgt von Kim und Kuna, durch das Gestrüpp. Allerdings war es für die Trainerin wegen ihrer Größe weitaus schwieriger, durch den Wald zu laufen, als für ihre beiden Pokemon. Ständig schlugen ihr irgendwelche tiefhängenden Äste und Sträucher ins Gesicht und bereits nach kurzer Zeit war sie vollkommen zerkratzt. Auch ihre kurzen Hosen erwiesen sich nicht gerade als vorteilhaft, gerade weil schon mehrere Brennesseln ihren Weg gekreuzt haben. Wenigstens hatte sie festes Schuhwerk an, dadurch gestaltete sich die Reise nun doch etwas angenehmer.

Sie folgten Shadow noch ein paar Stunden, bevor sie ihre erste Rast einlegten.Ihr Absol wurde immer unruhiger und Kim schloss daraus, dass sie ihrem Ziel immer näher kamen. Trotzdem sehnte sie sich nach einer Pause und ein karg bewachsenes Flussufer schien der ideale Ort dafür zu sein. Sowohl Kuna als auch Shadow waren damit einverstanden und das Absol sprang erst einmal ins Wasser, bevor er sich bei Kim einen Knursp abholte. Kuna verzichtete auf eine Abkühlung und schaute nun etwas pikiert zu seinem nassen Partner. Kim selbst holte sich ein paar Würstchen aus ihrer Tasche. Sie wollte gerade herzhaft in das Zweite hineinbeißen, als Shadow und Kuna plötzlich anfingen zu knurren.

Zwei grüngelbe Augen waren zwischen den dicht belaubten Büschen aufgetaucht und starrten auf Kim und ihre Pokemon. Ohne den Blick abzuwenden legte Kim ihr Würstchen zur Seite. Die Augen folgten dem Fleisch. Verdutzt hob Kim die Würstchen wieder auf und warf sie vor den Busch. Langsam schob sich eine kleine Schnauze zwischen den Blättern hervor und schnappte sich das Würstchen, bevor sie wieder blitzschnell im Busch verschwand. Die Augen hatten dabei keine Sekunde lang den Blick abgewendet. Nun starrten sie wieder auf Kim, als wüssten sie, dass sie noch mehr als ein Würstchen dabei hatte. Vorsichtig holte sie eine Frikadelle aus ihrem Rucksack hervor und warf sie wieder vor den Busch, diesesmal jedoch ein bisschen weiter vorne. Wieder schob sich die weiße Schnauze zwischen den Ästen hervor. Doch dieses mal war das Futter weiter weg und so musste sich das Wesen weiter aus dem Busch herauswagen. Der Schnauze folgten die Augen und dann schließlich der Rest des Kopfes mit zwei aufrecht stehenden, spitz zulaufenden Ohren. Doch die Frikadelle war immer noch zu weit entfernt. Langsam und vorsichtig kam das Wesen weiter aus den Büschen heraus ohne dabei Kim und ihre immer noch knurrenden Pokemon aus den Augen zu lassen.

Als das Wesen schließlich bei der Frikadelle angekommen war, verschlang es sie sofort an Ort und Stelle. Der Sabber lief ihm aus den Mundwinkeln und Kim konnte deutlich die Rippen unter dem struppigen Fell erkennen. Offenbar war es total ausgehungert. "Shadow, Kuna! Ich glaube nicht, dass es uns was tut, beruhigt euch wieder", flüsterte Kim zu ihren Pokemon hinüber und widerwillig gehorchten sie ihren Befehl. Kuna kam zu ihrer Trainerin und setzte sich neben ihr auf ihre vier Buchstaben, während Shadow in den Pokeball zurückgerufen wurde. Nun, da das größere der beiden Pokemon weg war, schien das Wesen nicht mehr so viel Angst zu haben. Kim fütterte es noch mit dem restlichen Fleisch, das sie dabei hatte und zum Schluss traute es sich sogar, ihr aus der Hand zu fressen. Als es merkte, dass bei ihr nichts mehr zu holen war, verschwand es wieder im Wald. "Bis Bald", rief Kim ihm noch hinterher, doch es war schon vom Wald verschluckt worden.

Kim und Kuna verbrachten die Nacht im Wald, da es bereits später Nachmittag war und sie es bis nach Eichenheim wohl nicht mehr schaffen würden bevor es dunkel wurde. Am nächsten Tag reisten sie wieder in die Stadt, um neue Vorräte einzukaufen, da das Wesem ja alles aufgefressen hatte. Dieses mal kaufte sie außerdem noch zwei Kilo rohes Fleisch für das Wesen. In den Wald würden sie heute noch nicht zurückkehren, Kim wollte noch bei ihrem Vater anrufen und etwas ordentliches im Pokemon-Center essen. Als Kim jedoch im Labor ihres Vaters anrief, war keiner da und auch zwei Stunden später nahm keiner ab. Sie dachte sich jedoch nichts dabei, das kam öfter vor, wenn sie gerade ein wichtiges Experiment durchführten.
Den Tag darauf brach das Duo wieder auf. Sie brauchten jedoch nicht so lange zu warten wie am Vortag, denn sobald sie den Wald betraten machte Kuna sie auf zwei gelbgrüne Augen aufmerksam, die sie aus einem Busch heraus anstarrten.

War ihr das Wesen wirklich bis hierher gefolgt? Zumindest schälte es sich sofort aus dem dichten Buschwerk, als Kim das Fleisch aus dem Rucksack holte. Es schnupperte zunächst neugierig an dem Fleisch, bevor es den Brocken mit ein paar Bissen verschlang. Dannach schleckte es noch über Kims Hand, als ob es dort noch irgendwas Verstecktes finden könnte. Sie musste lachen und streichelte das Wesen vorsichtig mit der anderen Hand über den Kopf. Sofort zog das Wesen seinen Kopf zurück und musterte sie wieder misstrauisch, bevor es im Wald verschwand.


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