-=- Kapitel 2: Rätsel -=-
Als Kim wieder an ihrem kleinen Nachtlager angekommen war, war sie viel zu aufgeregt und durcheinander, um noch weiterschlafen zu können. Mindestens eine Stunde lang wälzte sie sich in ihrem Schlafsack hin und her, bevor sie es schließlich aufgab und alles zusammenräumte. Der morgendliche Nebel hatte sich inzwischen wieder verzogen und die wilden Pokemon kamen langsam aus ihren Schlafstätten hervor, sodass der Wald sich ganz allmählich mit immer mehr Geräuschen füllte. Kim jedoch hatte kein Ohr dafür. Die Verletzung, die das unbekannte Pokemon Kuna beigebracht hatte, war schlimmer als zunächst angenommen und daher hatte die Trainerin ihr Vulpix in den Pokeball befördert, wo es sich zumindest ausruhen konnte. Natürlich nicht, ohne vorher die Wunde ordnungsgemäß zu verbinden. Schwester Joy sollte sich das besser mal angucken, bevor sie bei ihrem Vater anrief.

Zum Glück war der Wald nicht besonders groß. Gegen Mittag erreichte sie eine größere Stadt und es führte sie natürlich zuallererst ins Pokemon-Center. Neben Kuna gab sie noch ihre anderen Team-Pokemon zur Untersuchung. "Keine Angst Kim, die Wunde von deinem Vulpix sieht nicht besonders schlimm aus. Chaneira und ich kümmern uns schon darum. Gönne ihm einfach ein wenig Ruhe." Kim nickte nur und versuchte den Kloß im Hals mit hinunterzuschlucken. Wie jeder andere Trainer machte sie sich Sorgen, wenn die Pokemon verletzt waren und das war bei Kuna nicht anders. Also ging sie erst einmal zu den Telefonzellen des Centers und wählte die Rufnummer vom Labor ihres Vaters.

Ihr Vater leitete ein größeres Labor in ihrer Heimatstadt. Sein Wissen auf dem Gebiet der Pokemon kam schon dem von Professor Eich nahe. Doch seine Forschungsmethoden waren mehr als zweifelhaft und das war auch der Grund, warum sich andere Professoren stets weigerten, mit ihm zusammenzuarbeiten. Auch Kim war nicht gerade begeistert von ihrem Vater, doch er hatte ihr ihr erstes Pokemon gefangen und ihr einen Pokedex geschenkt als sie zu ihrer Reise aufgebrochen war. Außerdem kannte sie keinen der anderen Professoren besonders gut, was wohl auch an ihrem Vater lag, und so blieb nur ihr Vater übrig, den sie in solchen Angelegenheiten fragen könnte.

"Hallo, hier ist Professor Harks Labor", meldete sich prompt ein Assistent, nachdem es nur ein einziges Mal geklingelt hatte. Kim räusperte sich. "Hallo, hier ist Kim, die Tochter des Professors. Dürfte ich bitte kurz mit ihm sprechen?" Der Assistent warf einen kurzen Blick über die Schulter, bevor er weitersprach:" Der Professor ist gerade sehr beschäftigt. Mal schauen, was ich für dich tun kann..." Er legte den Höhrer beiseite und Kim konnte sehen, wie er zu einer Gruppe von Menschen in weißen Kitteln ging, die sich allesamt um einen Tisch versammelt hatten. Was genau dort vor sich ging konnte sie aber leider nicht erkennen. Der Assistent sprach einem Mann etwas abseits an und sofort kam dieser zu dem Bildtelefon gelaufen. "Kim, wie schön dich zu sehen. Was gibt es?"

Die Trainerin rief sich das Bild des fremden Pokemon ins Gedächtnis und beschrieb es ihrem Vater. Außerdem erzählte sie ihm, dass sie es nicht mit einem Pokeball einfangen konnte und es sich überhaupt nicht wie ein Pokemon verhielt. "Seine Attacke war ganz anders als normale Pokemon Attacken. Du weißt doch, wenn Pokemon sich gegenseitig angreifen, dann um den Gegner kampfunfähig zu machen. Doch das war irgendwie anders. Anstatt Kuna nur zu Schaden, hat sie der Biss von dem Pokemon richtig verletzt", endete sie. Ihr Vater strich sich mit den Fingern über den kleinen Schnauzer. "Hmm, das ist in der Tat merkwürdig. Bist du sicher, dass es ein Pokemon war?" Verdutzt zog Kim die Augenbrauen hoch. Darüber hatte sie noch gar nicht nachgedacht. Doch was sollte es denn sonst sein? "Ich weiß nicht", sagte sie schließlich,"Aber ich habe keine Idee, was es sonst sein könnte..." Ihr Vater sah auch nachdenklich aus. Doch es war irgendwas anderes, was ihm Sorgen bereitete, aber sie konnte nicht sagen, was. "In welchem Wald hast du das Pokemon, oder was auch immer es war, gesehen?", fragte ihr Vater schon fast beiläufig. "Ich weiß nicht, welchen Namen der Wald hat, aber die Stadt, in der ich gerade bin heißt Eichenheim. Vielleicht sagt dir das was?" Der Professor nickte zufrieden. "Ja, ich weiß ganz genau, wo das ist. Ich werde selbst mal ein paar Forschungen darüber anstellen wenn ich Zeit habe und sage dir Bescheid, wenn ich näheres weiß", versprach er. "Danke Pa!", sagte Kim und legte auf.

Seufzend ließ sich Kim in eines der weichen Kissen zurücksinken. Kuna war inzwischen soweit versorgt und schlief jetzt, heute Nachmittag würde sie wieder fit sein. Kim war auch schon bei ihr gewesen, doch das kleine Pokemon war zu erschöpft gewesen, um sie noch groß zu bemerken. Also hatte sie sich auf eines der großen Sofas des Centers zurückgezogen, um nachzudenken. Eigentlich müsste sie noch einmal in den Wald gehen, um sich das unbekannte Pokemon noch einmal anzusehen. Doch der Wald war riesig, es könnte ewig dauern, bis sie es gefunden hatte. Ihre Pokemon könnten ihr zwar helfen, aber dennoch war die Aussicht auf Erfolg nicht besonders hoch. Vielleicht könnte Shadow ja eine Fährte von der Lichtung aus aufnehmen, wo sie es das erste mal gesehen hatte? Das wäre möglich. Doch dazu bräuchte sie erst einmal Ausrüstung dafür. Morgen würde sie sich wieder in den Wald begeben und das Pokemon suchen. Dann wäre Kuna auch wieder vollends fit. Mit neuer Entschlossenheit stand Kim von dem Sofa auf und holte ihre Tasche aus ihrem Zimmer. Neben einer Kamera brauchte sie sowieso noch Nahrungsmittel und Medizin für die Weiterreise.

Gegen Nachmittag war Kuna wie versprochen aus ihrem Erholungsschlaf erwacht. Die Wunde war gut verheilt und es würde auch keine Narbe verbleiben, versprach ihnen die Schwester. Die Zwei gingen erst einmal ein Eis essen und bummelten dann noch ein wenig durch die Stadt. Kuna war genauso wissbegierig wie Kim. Auch sie wollte herausfinden, was es mit dem geheimnisvollen Pokemon auf sich hatte. Am nächsten Morgen würden sie aufbrechen und zurück zu der Stelle gehen, wo sie es das letzte Mal gesehen hatten. Kim war sich zwar nicht so sicher, die Stelle wiederfinden zu können, doch ihr kleines Pokemon war da mehr als optimistisch. Im Wald kannte sie sich immerhin besser aus als ein Mensch, auch wenn sie schon mehrere Jahre zu Kim gehörte.
Am nächsten Morgen schließlich packte Kim ihre Sachen zusammen und zog mit Kuna in die Richtung, aus der sie erst am Tag zuvor gekommen waren. Diesmal gingen sie nicht so schnell, denn Kuna war ja wieder fit und musste nicht dringend ins Pokemon Center. So kamen sie erst kurz nach Mittag an der Lichtung an, an der die Zwei vorgestern übernachtet hatten.


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