-=- Kapitel 19: Besuch beim Apotheker -=-
Zum Glück dauerte es nicht allzu lange, bis Kuna sich wieder einigermaßen erholt hatte. Bereits einen Tag später durfte sie die Krankenstation wieder verlassen und bei Kim schlafen. Der Ranger und die Trainerin aus der Pokemonwelt hatten ein leeres Zimmer im gleichen Stock wie das Büro des Professors bezogen, sie konnten ja nicht ewig bei Øystein schlafen. Sobald das Pokemon wieder bei Kräften war, nahm der Professor sie wieder mit in die Stadt. Dieses Mal schien es allerdings kein normaler Stadtrundgang zu werden. "Wir werden einen unserer Mitarbeiter besuchen gehen", sagte er nur und ging voraus.

"Arbeitet der Mitarbeiter gar nicht im Labor?", erkundigte sich Kim. Der Professor schüttelte den Kopf. "Nein, er arbeitet nicht direkt für das Labor" erklärte er und nun war Kim vollends verwirrt. "Nun ja, als Kuna krank wurde, hat mich das an eine unbedingt notwendige Maßnahme erinnert. Ihr seid überhaupt nicht gegen die hier gängigen Krankheiten immunisiert. Das müssen wir nun ändern. Und da er sich auch gut mit Pokemon auskennt, könnte er Kuna eventuell auch impfen", meinte er dann. "Impfen?!?" Entgeistert blickte sie zu Keno. Stumm schüttelte sie den Kopf und er nickte zustimmend. Wie jeder andere normale Mensch auch, so hassten sie es, geimpft zu werden. "Keine Sorge, er kennt sich in der Medizin aus, er ist Apotheker", beruhigte er sie, als er ihre abweisenden Gesten bemerkt hatte.

"Und warum kennt er sich dann mit Pokemon aus?", fragte Keno. Der Professor seufzte. "Das ist leider nicht so einfach zu erklären", meinte er. "So gut wir auch versucht haben, unsere wahren Forschgründe geheim zu halten, so haben es doch einige japanische Spitzel geschafft, Informationen aus dem Labor zu entwenden. Zum Glück haben sie diese nur zur Herstellung von Videospielen verwendet und nicht für niedere Zwecke. Mittlerweile feiert diese Firma große Erfolge mit den Pokemon und wir bekommen großzügige Spenden von der Firma, wenn wir neue Informationen für sie haben. Diese Spiele sind so erfolgreich, dass es inzwischen viele Internetseiten von diesen Spielen gibt. Und der Mann, zu dem wir jetzt gehen, arbeitet für eine dieser Internetseiten, genauer gesagt für ein Forum. " Kim schluckte. Dass ihre Welt so bekannt war, damit hatte sie nicht gerechnet. So ganz allmählich nahm das Ganze globale Ausmaße an. Auch wenn jeder Pokemon für Fantasiewesen aus diesen Videospielen hielt, so war sie nicht gerade begeistert davon, dass die halbe Welt von ihrer Existenz wusste. Sie mussten irgendetwas unternehmen, um das zu stoppen!

"Was ist das für ein Forum", fragte Keno, als sie in eine schmale Seitengasse einbogen. "Dieses Forum ist die größte Pokemon-Community in Deutschland und nennt sich Biber... äh Bisaboard. Ah, wir sind da..." Der Professor bleib vor einer unscheinbaren Tür stehen und betätigte den Klingelknopf. Eine Stimme sprach aus einem Lautsprecher über der Klingel. "Wer ist da?" Der Profesor räusperte sich. "Hallo Konstantin, hier ist Professor Øystein. Ich habe hier sehr interessanten Besuch für dich..." Mit einem leisen Surren öffnete sich die Tür und sie betraten ein schmales Treppenhaus. "Wir müssen in die oberste Etage", sagte der Professor, als ob ihn schon der Gedanke an die vielen Stufen erschöpft machte.

Als sie endlich die vier Etagen hinter sich gebracht hatten, war Professor Øystein völlig außer Atem, während Kim und Keno gerade mal ein wenig aus der Puste waren. Die Trainerin warf Keno einen belustigten Blick zu und deutete unauffällig auf den Professor und beide konnten sich das Lachen nur schwer verkneifen. Eine halbe Minute später jedoch bekam er wieder ausreichend Luft und klopfte dreimal kräftig gegen die helle Holztür. Ein junger, hoch gewachsener Mann öffnete ihnen die Tür. "Kommt rein", sagte er mit leiser Stimme. Sein Blick war dabei ungläubig auf Kuna und Plaudagei gerichtet. Er führte sie in ein aufgeräumtes Wohnzimmer und bedeutete ihnen mit einer Geste, sich doch zu setzen. Er selbst ließ sich in einem Sessel sinken.

"Wenn das ein verspäteter Aprilscherz sein sollte, so sage es mir bitte gleich", sagte er mit ernster Stimme an den Professor gerichtet. Der Professor lächelte und schüttelte den Kopf. "Konstantin, ich schwöre dir, dass diese Pokemon echt sind. Allerdings stecken nicht wir dahinter. Anscheinend will die andere Seite auch zu uns." Er blickte zu Kim und Keno. "Darf ich vorstellen? Das sind Kim und Keno, sie kommen beide aus der Pokemonwelt." Der Mann nickte ihnen freundlich zu. "Freut mich, euch kennen zu lernen. Ich bin Konstantin. Beruflich bin ich Apotheker, aber trotzdem verbringe ich die meiste Zeit am Computer." Er zwinkerte ihnen zu und Kim wusste sofort, dass er damit dieses Forum meinte. "Hör mal", begann sie, "ich finde es eigentlich nicht so gut wenn alle wissen, was Pokemon sind. Gibt es nicht eine Möglichkeit, das aufzuhalten?" Konstantin zog eine Braue hoch und blickte zu dem Professor, doch der zuckte nur unschuldig die Achseln. "Tut mir Leid, aber aufhalten könnt ihr DAS nicht mehr. Nintendo hat die Spiele viel zu gut verkauft. Jeder Teenager in eurem Alter weiß, was Pokemon sind." Kim biss sich auf die Unterlippe und schwieg. Sie konnte Kenos Blick auf ihr spüren, doch sie sah absichtlich nicht in seine Richtung.

"Weshalb wir eigentlich hier sind - Das Vulnona von Kim war die letzten Tage krank, was mich daran erinnert hat, dass wir die Menschen und ihre Pokemon impfen sollten, damit sie nicht an einer Grippe sterben. Hast du was passendes da, damit zumindest die Grundimmunisierung vorhanden ist?" Konstantin starrte den Professor ungläubig an. "Professor, ich bin Apotheker und kein Arzt! Ich mache mich strafbar, wenn ich das tue." Øystein sah ihn ernst an. "Du meinst also, wir sollen mit den Pokemon zu einem gewöhnlichen Arzt gehen?", fragte er. Konstantin schürzte die Lippen. "Nein, das nicht, aber..." "Was aber?", fiel ihm der Professor wieder ins Wort. Konstantin öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder. Nach ein paar Minuten stand er auf und verschwand in den Flur. Er kam mit einigen Fläschchen in der Hand wieder. "Wenn das rauskommt, verliere ich meine Lizenz", murmelte er.


nach oben



nPage.de-Seiten: http://agathe2.npage.de/ | Online-Literaturmagazin Booknews
Hauptmenü