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-=- Kapitel 18: Sorge um Kuna -=-
Noch nie hatte ich mich so elend gefühlt. Irgendetwas hatte sich um meine Lunge gelegt und ließ mich nur schwer atmen. Meine Kehle war ausgetrocknet und geschwollen, mein Kopf dröhnte als wäre ich bei einer Schaufler-Attacke gegen einen Felsen gestoßen und mir tat mirklich alles weh. Am merkwürdigsten war jedoch diese unangenehme Hitze in meinem Körper. Normalerweise war ich Wärme gewohnt, ich bin schließlich ein Feuer-Pokemon, doch diese Hitze war ungewöhnlich stark und trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn. Diese Hitze wurde nur von gelegentlichen Kälteschüben unterbrochen, bei denen ich mich immer wieder schüttelte vor Kälte. Ich wusste, dass irgendetwas in mir drin war und mich von innen heraus angriff. Das klingt vielleicht ein wenig verrückt, doch so kam es mir vor. Etwas war in mir und griff mich an. Ich musste herausfinden, was es war, oder es würde mich töten.
Besorgt strich Kim durch das durchnässte Fell. Kuna schien sie gar nicht zu bemerken. Sie lag immer noch regungslos auf dem Bett, abgesehen von dem unregelmäßigen Heben und Senken ihrer Brust, bei dem jedes mal ein rasselndes Geräusch erklang. Der Professor hatte sie umgehend auf die kleine Krankenstation gebracht. Leider konnten die Menschen ihr nicht helfen, Kuna war halt ein Pokemon und kein Tier. Sie konnten zwar anhand der Symptome auf eine Krankheit schließen, doch sicher sein konnten sie nicht. Wenn man die Symptome auf einen Menschen übertrug, könnte es eine Influenza sein, aber ob es bei Pokemon der gleiche Virus war, konnten sie nicht sagen. Kim hatte von dieser Krankheit noch nie gehört. Der Professor der Krankenstation, Professor Eirik, erklärte ihr, es sei bei Menschen eine harmlose Krankheit, doch Kuna hatte keine "Immunisierung" wie die Menschen hier und daher war die Krankheit bei ihr weitaus schlimmer als normal. Mehr als warten konnten sie im Moment jedoch nicht tun, da keiner wusste, wie sich Medikamente auf das Pokemon auswirken würden. Doch eines war klar: Kim würde ihrer Freundin zur Seite stehen, egal was noch kam!
Ich fühlte eine warme Hand an meiner Flanke und konnte Kims Anwesenheit spüren. Dankbar schlich sich ein Lächeln auf meine Lefzen, doch zu mehr hatte ich zur Zeit keine Kraft. Mein Körper bekämpfte mit aller Kraft den Eindringling, da bleib nichts für mich übrig. Ich wusste, dass die Menschen mir nicht helfen konnten, also musste ich mich auf mich selbst verlassen. Eigentlich wurden Pokemon nur selten krank, weil sie durch die verschiedenen Beeren gute Abwehrkräfte hatten, doch das half natürlich nicht gegen die Krankheiten in dieser Welt. Es musste mir etwas einfallen lassen. Doch was konnte ich groß gegen dieses Etwas ausrichten?
Da kam mir eine Idee. Egal, wie klein es war, mal schauen, wie lange es in 1400 C° überleben würde! Ich beschleunigte meine Atmung (insoweit das möglich war) und fuhr langsam meine Temperatur hoch. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn man ein Feuer-Pokemon war, war dass man seine Körpertemperatur so regeln konnte, wie man es wollte. Die Flamme über meinem Herzen wurde größe und hitzte nach und nach mein Blut auf. Ich spürte, wie Kim hastig ihre Hand von meiner Flanke wegzog. Gut so, sonst verbrannte sie sich noch. Meine Körpertemperatur erhöhte sich immer weiter und der Schweiß auf meinem Fell verdampfte mit einem Zischen. Der Eindringling sollte verglühen!
Was ging nur in dem Pokemon vor? Auf einmal hatte Kuna begonnen, ihre Körpertemperatur hochzufahren. Doch warum tat sie das? War ihr etwa kalt? Das konnte Kim sich nicht vorstellen. Normalerweise behielt Kuna immer eine Körpertemperatur, die nur ein wenig höher als die von Menschen war, weil es sie enorm viel Energie kostete, ihre Temeperatur dauerhaft höher zu halten. Aber sie war doch schon so geschwächt! In dem Moment betrat Professor Eirik den Raum. "Irgendetwas neues?", fragte er und legte die Hand auf Kunas Stirn. Mit einem lauten Aufschrei zog er sie wieder weg. Kim musste sich das Lachen verkneifen. "Was ist da los? Warum hat sie so hohes Fieber?" Das Mädchen verschluckte den Lacher und antwortete: "Kuna ist ein Feuerpokemon, sie kann ihre Körpertemperatur selbst regeln. Warum sie das jetzt tut, weiß ich allerdings nicht." Besorgt blickte sie wieder zu ihrer Freundin. Wenn sie ihr doch nur irgendwie helfen könnte! "Aber warum gerinnt ihr Blut nicht? Normalerweise müsste ihr Kreislauf vollkommen durcheinander..." Kim schüttelte nur den Kopf. Der Professor hatte wirklich keine Ahnung. "Feuerpokemon haben irgendwie eine andere Zusammensetzung im Blut, die verhindert, dass es gerinnt. Keine Ahnung, wie das funktioniert, mein Vater hat mir das mal erzählt", erklärte sie ihm. Wieder blickte sie zu Kuna. Was sollte sie nur tun?
Meine Körpertemperatur hatte bald ihr Maximum erreicht. Ich hatte meine Flamme schon lange nicht mehr so stark brennen lassen, doch ich genoss es. Ein Feuerpokemon liebte hohe Temperaturen und ich tat es eigentlich viel zu selten, weil es mich so viel Kraft kostete. Dieses Mal jedoch war es notwendig und ich hoffte, dass meine Idee funktionierte. "Was tust du da? Lass das!" Erschrocken hob ich den Kopf. Wer hatte da gerade gesprochen? Kim oder der komische Professor waren es nicht. Aber wer war es dann? "Stell dich nicht so blöd! Hör auf, mich zu verbruzzeln!" Erklang es wieder. "Wer bist du?" dachte sie. "Na endlich hast du's geschnallt. Mein Name ist Influenza und du sollst aufhören, mich zu grillen!" "Bist DU grad dabei, dich in meinem Körper breit zu machen?", fragte ich fast beiläufig. "Natürlich, das ist mein Job", erwiderte die Stimme, "Meine Aufgabe ist es, die Lebewesen, die nicht hierher gehören, auszuschalten und dazu gehören neben den Menschen noch Dinger wie du, was auch immer du bist." Ich verkniff mir meinen Kommentar. Freunde würden wir wohl kaum werden, daher kam mir gar nicht in den Sinn, meine Körpertemperatur wieder herunterzufahren. "Warum willst du mich töten? Ich bin nicht freiwillig hier!", protestierte ich, "Und jetzt verschwinde, oder ich grill dich!" "Nu ma nicht so schnell! Wenn du hierbleibst und das Gleichgewicht der Natur hier durcheinanderbringst, ist das meine Schuld. Wir haben schon mehr als genug mit den Menschen hier zu tun. Der Hi-Virus leistet zwar schon ganze Arbeit, aber leider erwischen wir immer nur das niedere Volk." Erst wollte ich protestieren, doch dann fiel mir ein, was Professor Øystein zu den Menschen hier gesagt hat. Dass sie nicht ordentlich mit der Natur umgingen. Ich konnte Influenza verstehen, was natürlich kein Grund für mich war, die Temperatur runterzudrehen. "Keine Angst, ich geh bald wieder nach Hause", versprach ich. Ein paar Sekunden herrschte Stille, bevor das Virus wieder sprach. "Hör zu, du komischer Fuchs. Ich weiß nicht, ob ich dir trauen kann. Daher werd ich zwar aufhören, dich zu quälen, aber dafür werde ich noch eine Weile in deinem Körper bleiben. Brichst du dein Versprechen, breche ich wieder aus und werde dich töten, egal wie hoch du deine Körpertemperatur schraubst." Ich ließ mir den Vorschlag durch den Kopf gehen und bejahte. Immerhin hatte ich nicht vor, noch lange in dieser Welt zu bleiben.
Kim konnte sich nicht erinnern, eingeschlafen zu sein, doch sie war sofort hellwach, als Kuna wieder Lebenszeichen von sich gab. Das Pokemon hob seinen Kopf und blickte sich ein wenig verwirrt in dem Raum um. Überglücklich fiel Kim ihr um den Hals und kümmerte sich nicht um die Hitze, die von ihr ausging, ihr Fell hielt sowieso den Großteil der Wärme zurück. "Geht es dir wieder besser?", erkundigte sie sich hoffnungsvoll."Nona!", antwortete sie und stupste ihr mit der kühlen Nase ins Gesicht. Sie sah immer noch schwach aus, doch von nun an würde sie sich wieder erholen können.
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