-=- Kapitel 13: Der Hybrid -=-
Keno wollte schon wieder seinen Fangkom herausholen, als sich Kim demonstrativ vor ihn stellte. "Überlass das mir", sagte sie, ohne den Blick von dem Mann im schwarzen Anzug zu lassen. Das Despotar brüllte bedrohlich und stampfte auf dem Boden auf. "Gut Fairy, zeig ihm mal deinen Silberhauch!", befahl Kim. Käfer-Attacken waren sehr effektiv auf Unlicht Pokemon wie Despotar. Sie müsste es schnell ausschalten, Fairy war zwar eine starke Kämpferin, hielt aber meist nicht viele Attacken aus.
Das Despotar brüllte wütend als es die Attacke traf, doch es schüttelte nur kurz den Kopf und schien wieder voll fit zu sein. Wie war das möglich? Wütend ballte Kim die Fäuste. "Na gut, dann eben Energieball!" Eine grün-leuchtende Kugel bildete sich vor Fairys Körper und wurde mit voller Kraft auf das Ziel geschleudert. Hoffentlich hatten sie dieses mal mehr Glück! "Despotar, die Steinkante", ertönte es von der anderen Seite des Raums. Das Pokemon war unheimlich schnell. Weder Kim noch ihr Pokemon konnten rechtzeitig reagieren. Die Steine stürzten auf das zarte Schmetterlingspokemon. "Oh Nein, Fairy!" Das wars dann wohl. Fairy war schneller besiegt worden als ein Raupy von einem Tauboss. Kims Blick richtete sich auf Kuna. "Bist du bereit?"

"-Nona!", rief ich und stellte mich in Kampfposition vor Kim. Diesem Pokemon würde ich es schon zeigen, Snibunna hatte ich ja schließlich auch zerlegt. Angriffslustig fletschte ich die Zähne. Von mir aus konnte es losgehen. "Gut Kuna, fang mal mit dem Konfusstrahl an!" Diesem Befehl kam ich sofort nach und bildete die kleine schwarze Kugel, die ich zu Despotar hinschickte. Doch es genügte nur ein Schlag seiner Arme, um sie verpuffen zu lassen. So ein Mist! "Den Hyperstrahl", befahl der Mann im schwarzen Anzug. Ich blieb noch eine Sekunde stehen und sprang dann im letzten Moment außer Reichweite. "Beeil dich Kuna, es kann sich jetzt nicht bewegen! Flammenwurf!" Wieso ein Flammenwurf? Feuer Attacken würden einem Stein Pokemon doch kaum kitzeln, doch ich überlegte nicht lange und hüllte das gegnerische Pokemon in ein Flammenmeer. Völlig unbeeindruckt von der Attacke stampfte es wieder wütend auf den Boden auf."Knirscher", befahl der Mann im schwarzen Anzug. Wieder sprang ich erst im letzten Moment weg. Doch dieses mal richtete es die Attacke auf einen Punkt links von dort, wo ich vorher stand. Der Ort, an dem ich mich jetzt befand. Das Pokemon versenkte seine Zähne in meiner Flanke und ich brüllte auf vor Schmerz. Diese Attacke war nicht normal! Irgendwo hatte ich sowas schon einmal gespürt. Aber wann war das? Aber ich konnte mich nicht erinnern, die Schmerzen raubten mir jeden Verstand. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis das Despotar endlich von mir abließ. Nur mit Mühe konnte ich mich noch auf den Beinen halten. Blut troff von meiner linken Schulter und bildete eine kleine Pfütze unter mir. Das konnte doch gar nicht sein! Attacken verletzten doch nicht so!

"Kuna, was ist mit dir?" Erschrocken schlug Kim die Hand vor den Mund. Ihre Freundin zitterte am ganzen Körper und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. War der Knirscher wirklich so stark gewesen, dass er Kuna so stark verletzte? "Du bist überrascht wie ich sehe. Aber ich bin von dir enttäuscht. Eigentlich hättest du doch wissen müssen, dass die Wölfin nicht das allerwichtigste an unseren Forschungen war." Der Mann im schwarzen Anzug lächelte wieder und durchquerte langsam den Raum. "Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Pokemon zu entwerfen, das seine Attacken wie ein Tier ausführt. Es ist unbesiegbar. Du siehst es ja selbst." Immer noch dieses böse Lächeln. Kim ballte wütend die Fäuste. So etwas konnte doch nicht richtig sein! Das brachte doch alles durcheinander! "Wie können Sie es wagen!" Keno stellte sich wutentbrannt neben Kim. "Seit fünf Jahren beschütze ich die Natur und versuche, sie im Gleichgewicht zu halten. Doch was tun Sie? Sie bringen alles durcheinander, wofür ich so hart Kämpfe!" Der Junge schien sich richtig in Rage zu reden, genau wie sein Plaudagei, welches aufgeregt mit den Flügeln schlug und vor sich hin krächzte. Wie immer lächelte der Mann im schwarzen Anzug nur. "Glaub mir, das ist mir so egal wie ein Karpador", meinte er mit seiner gelangweilten Stimme.

"Ich habs!", rief plötzlich Kims Vater triumphierend. Alles drehte sich zu ihm um. Im Eifer des Gefechts schien man ihn vergessen zu haben und der Laborant hatte sie Zeit wohl fleißig genutzt. Obwohl es Kim widerstrebte, die Hilfe ihres Vaters anzunehmen, sie es doch. Sie wollte immerhin Luna wieder nach Hause bringen und da hätte ihr Streit mit ihrem Vater keinen Platz, so berechtigt er auch war. Die Miene des Manns im schwarzen Anzug versteinerte sich. "Professor Harks, ich bitte Sie nur ein einziges mal höflich das Gerät wieder auszuschalten, andernfalls werde ich Gewalt anwenden", sagte er drohend. Ihr Vater ignorierte ihn. "Kim, beeil dich!" Das Mädchen nickte und rannte los, Luna im Schlepptau. Inmitten der Maschine war so etwas wie ein großer Spiegel aufgetaucht. "Da muss es durch!", rief ihr Vater. Kim hatte verstanden. "Despotar, den Hyperstrahl!", sagte der Mann im schwarzen Anzug eisig. Kim sah nur einen hellen Lichtblitz, der direkt auf ihren Vater zuhielt. "Papa!" Ein paar Sekunden lang hielt Kim den Atem an. Wenn eine solche Attacke ihren Vater getroffen hat, dann... Kim wollte es sich gar nicht ausmalen.

Nach unendlich langer Zeit, so kam es Kim jedenfalls vor, tauchte der versenkte Kopf ihres Vaters hinter dem Schreibpult auf. Seine Haare waren zwar alle schwarz und verbrannt, aber er lebte! Nun doch erleichtert atmete Kim wieder aus. Schon seltsam, wenn der Mensch, den man eigentlich hassen wollte, auf einmal in Lebensgefahr schwebt. "Mir geths gut, beeil dich lieber!", mahnte er und hustete kräftig. Schweren Herzens wandte Kim sich ab und rannte das letzte Stück bis zu der Maschine. "Komm Luna, du musst da durch!" Doch die Wölfin machte gar keine Anstalten, auch nur eine Pfote durch dieses mysteriöse etwas zu halten. Das Tier hatte die Rute eingeklemmt und schaute sie vorwurfsvoll an. "Bitte Luna, du musst da durch! Keno, ich brauch deine Hilfe!" Es dauerte keine Sekunde, bis der Ranger an ihrer Seite stand. Auch er redete auf die Wölfin ein, doch nun schien sie es sicht erst recht nicht anders zu überlegen. "Vorsicht!", rief er und riss Kim mit auf den Boden. Gerade noch rechtzeitig. Ein Hyperstrahl von Despotar fegte nur ein paar Millimeter über sie hinweg. Die Attacke schlug mit einen lauten Knall auf die Maschine ein, woraufhin der "Spiegel" begann, sich zu verzerren. "Keine Zeit mehr, beeilt euch!", mahnte Kims Vater. "Kuna, schnell hierher!" Dem Mädchen kam da eine Idee. Ihre Freundin kam humpelnd angelaufen. Kurzerhand nahm sie die Wölfin auf den Arm (wobei sie erst einmal prusten musste, sie hatte nicht mit einem so hohen Gewicht gerechnet) und stürmte dann durch das immer mehr zitternde Portal.


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