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-=- Kapitel 11: Ein neuer Freund -=-
Verdutzt drehte Kim sich zu der Stimme um. Vor ihr stand ein Junge, nur ein wenig älter als sie. Er hatte rabenschwarzes, zerzaustes Haar, dass von einem roten Stirnband aus dem Gesicht gehalten wurde. Ansonsten trug er noch eine rote Jacke und eine schwarze Hose, dazu Turnschuhe. Kim fiel sofort auf, dass er keine Pokebälle am Gürtel trug, stattdessen hockte ein Plaudagei auf seiner Schulter und ein Gerät, das ein wenig wie ein Funkgerät aussah, hing an seiner Hüfte. Der Junge hatte die Hände in die Hüften gestemmt und blickte wütend zu ihr. "Also, hier ist Naturschutzgebiet. Was hast du hier zu suchen?", fragte er noch einmal.
"E-es tut mir L-leid", stammelte Kim ein wenig verwirrt. Eigentlich sollte sie froh sein, hier jemanden getroffen zu haben. Und wenn dies wirklich ein Naturschutzgebiet war, war es ja kein Wunder, wenn sie hier keiner Menschenseele begegneten. "Ich hab mich nur verlaufen. Kannst du mir vielleicht helfen?" Dabei stellte sie sich unauffällig vor Luna. Sie kannte diesen Jungen nicht und sie würde kein Risiko eingehen. Für den Jungen schien das Routine zu sein, denn er winkte ihr, ihm zu folgen. "Ich bring dich jetzt erst einmal zur Basis, da sehen wir dann weiter", meinte er und ging voran. "Was für eine Basis?", fragte Kim und schloss zu ihm auf. "Na zur Ranger Basis!", erklärte er, als sei das selbstverständlich. Dabei schauter er sie verwundert an. Wie, sie wollten zur Ranger Basis? War der Junge etwa...? "Bist du etwa ein Ranger?", fragte Kim und ihre Augen nahmen etwa die Größe von Tischtennisbällen an. Der Junge musste grinsen. "Klar, was dachtest du denn, warum ich hier in Uniform rumlaufe." Auch über Kims Gesicht zog sich ein Lächeln. "Keine Ahnung, ich wusste ja vorher nicht, wie so eine Ranger Uniform aussieht."
Sie gingen ein Stück durch den Wald, bis sie einen Hang weiter nördlich erreichten. Die Zwei verstanden sich prächtig und Kim war froh über die menschliche Gesellschaft. Endlich mal einer, der ihr nicht Kuna oder die Wölfin wegnehmen wollte. Sie gingen noch ein Stück den Hang hinauf und erreichten dann ein dreistöckiges Gebäude mit einem kleinen Landeplatz, wahrscheinlich für Flug-Pokemon. Der Junge führte sie durch die Glastür. "Keno meldet sich zurück von der Patroullie", sagte er zu einem gut beleibten Mann, ebenfalls in Uniform. Dieser warf einen belustigten Blick zu Kim und wandte sich dann wieder an den Jungen. "Gut, wie ich sehe, hast du uns jemanden mitgebracht?", erkundigte er sich. Der Junge nickte. "Ja, ich habe sie im Naturschutzgebiet aufgegriffen." Kim stand schweigend mitten in der großen Halle. Luna versteckte sich hinter ihr und Kuna stand für den Fall der Fälle neben ihr, die Muskeln gespannt. Es war schön warm hier drin. Menschen, normale Menschen. Kim konnte sich nicht mehr helfen. Mitten in der Halle brach sie zusammen und brach in Tränen aus.
Das Mädchen wurde in einen kleinen Nebenraum mit einem Tisch und mehreren Stühlen gebracht. Mit tränenüberströmten Gesicht ließ sie sich auf einen Stuhl nieder. Kuna und die Wölfin folgten ihr und ließen sich zu ihren Füßen nieder. Der dicke Mann und der Junge betraten ebenfalls den Raum und setzten sich dann auf einen Stuhl. "Nu erzähl mal Mädel, wat isn passiert?", fragte der Mann. Kim begann zu erzählen. Sie begann, wo sie Luna das erste mal getroffen hatte und wie sie ihr Vertrauen gewonnen hatte. Als jedoch ihr Vater ins Spiel kam, stockte sie kurz. Eigentlich wollte sie nicht darüber reden. Kuna war es, die sie dazu ermutigte, weiterzumachen. Diese setzte sich auf und schleckte ihr tröstend über die Hand, bevor sie ihren Kopf auf Kims Knie legte. Lächelnd erzählte sie dann weiter. "Und dann hast du mich aufgegabelt", endete sie und blickte zu dem Jungen.
Der dicke Mann seufzte und und strich sich über den mächtigen Vollbart. "Das ist eine Sache für die Polizei", meinte er dann, machte allerdings keine Anstalten, aufzustehen. "Und was jetzt?", fragte Kim, "Die Wölfin muss doch zurück in ihre Welt!" Der dicke Mann schüttelte den Kopf. "Wie stellst du dir das vor? Überhaupt so ein Tor zu öffnen ist viel zu gefährlich." Betreten senkte Kim den Kopf. Was sollte sie denn jetzt machen? Luna musste doch zurück! "So ein Quatsch!" Der Junge sprang auf. "Willst du etwa das Tier einfach hier lassen? Das würde unser Ökosystem vollkommen durcheinanderbringen." Dankbar blickte Kim zu ihm. Vielleicht gab es ja doch noch Hoffnung? "Keno, beruhig dich! Ich hab dir schon tausendmal gesagt, dass du nicht so aufbrausend sollst. Setzt dich wieder hin." Der Junge ballte die Fäuste, setzte sich aber wieder. Sein Plaudagei schlug wild mit den Flügeln und krächzte unzusammenhängende Sätze. Kim war ihm trotzdem dankbar und das zeigte sie ihm auch mit ihrem Blick. Irgendwie würden sie das schon schaffen.
Das Mädchen kam mit ihren Pokemon in einem der Gästezimmer unter. Der Anführer der Rangertruppe würde sie am nächsten Tag mit einem Staraptor nach Eichenheim bringen. Dort würden sie dann mit der Polizei sprechen. Kim gefiel das nicht. Sie hatte Angst, dass man ihr Luna wegnehmen würde. Nachdenklich lag sie auf ihrem Bett. Kuna hatte sich neben dem Bett zusammengerollt und schlief, genauso wie ihre weiße Freundin. In dem Moment klopfte es zaghaft an der Eichentür. "Herein", murmelte Kim und setzte sich auf. Die Tür öffnete sich und der Junge aus dem Wald trat ein. Kuna erwachte aus ihrem Schlaf und beobachtete ihn misstrauisch. Überrascht zog Kim die Brauen hoch. "Hallo", sagte sie nur. Der Junge kratze sich verlegen am Hinterkopf. "Das vorhin war übrigens ernst gemeint. Ich denke, dass wir den Wolf da wieder in seine Welt bringen sollten." Er deutete mit seiner Hand zu Luna. Kim lächelte dankbar. "Ja, das denke ich auch. Ihr Name ist übrigens Luna. " Bei der erwähnung ihres Namens erwachte selbige ebenfalls aus ihrem Schlaf und blicke sich irritiert um. Kim und der Junge fingen gleichzeitig an zu lachen. "Schöner Name. Ich dachte, dass wir in das Gebäude einbrechen und da versuchen die Maschine zu finden, die das Tor in die andere Welt öffnen kann."
"Du willst WAS?" Kim Augen weiteten sich auf Tischtennisballgröße. Das konnte doch nicht sein Ernst sein. Aber hatte sie wirklich etwas anderes erwartet? Was gab es denn für eine andere Möglichkeit? Wieder das verlegene Kratzen am Hinterkopf. "Nun ja, es wäre die einzige Möglichkeit. Wir müssten aber sofort los, ich denke nicht, dass Olaf die Idee gut finden würde." Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. "Du hast also keine Genehmigung dafür?" Okay, darauf hätte sie ja selbst kommen können. Der Dicke war ja vorhin schon eher vernünftig als draufgängerisch gewesen. "Nö, hab ich nicht. Aber mach dir da mal keine Sorgen, das ist allein mein Problem. Also, bist du dabei?" Immer noch nicht recht überzeugt warf Kim einen Blick aus dem Fenster. "Aber du könntest deine Zulassung verlieren", meinte sie dann. Der junge Ranger zuckte nur die Schultern. "Weißt du, ich bin jetzt schon seit fünf Jahren dabei und bis jetzt ist noch nie etwas spannendes passiert. Ich denke, es ist Richtig dir zu Helfen. Und wenn wir es schaffen, die Wölfin nach Hause zu bringen, hat es sich zumindest gelohnt." Sein Plaudagei krächzte zustimmend. Lächelnd stand Kim von ihrem Bett auf. Ihre Augen waren feucht, aber sie drehte sich schnell zu Kuna und der Wölfin, damit der Junge das nicht sah. "Okay ihr beiden, es geht wieder zurück."
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