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-=- Kapitel 10: Der Wald -=-
Ungläubig starrte der Mann im schwarzen Anzug auf sein besiegtes Pokemon. Mit einer Niederlage hatte er wohl nicht gerechnet, Kim konnte es in seinen Gesichtszügen lesen. Sie selbst konnte es noch gar nicht fassen. Ihre Kuna hatte sich tatsächlich entwickelt. Sie wusste immer noch nicht recht, was sie davon halten sollte. Klar, Kuna war größer und stärker geworden, aber hatte sich auch ihr Charakter verändert? Kim wusste es nicht, doch das müssten sie später herausfinden. Jetzt galt es, die Gunst der Stunde zu nutzen und zu verschwinden. Aber nicht, bevor sie Shadow und Fairy wiederhatte. Jetzt hieß es also Beeilung!
Kim nahm also wieder Haltung an. "Was sagen Sie jetzt? Geben Sie mir endlich meine Pokemon zurück und lassen Sie uns gehen!", forderte sie. Der Mann im schwarzen Anzug sah von seinem Snibunna zu ihr, schwieg jedoch. "Komm zurück", sagte er schließlich und das Pokemon verschwand in den Pokeball in seiner Hand. Schweigen. Die Zeit schien sich endlos zu dehnen. Das Feuer in dem Kamin warf gespenstische Schatten an die Wand. Ansonsten schien alles in dem Zimmer die Luft anzuhalten. Schließlich wandte sich einer der Männer bei ihrem Vater an den Mann im schwarzen Anzug. "Soll ich mich darum kümmern, Boss?", fragte er und zückte einen Pokeball. Endlich schien Bewegung in den Mann zu kommen, denn er schüttelte den Kopf. "Nein, schon gut. Dieses Mal haben sie gewonnen. Doch seid gewarnt", mit diesen Worten wandte er sich zu Kim und Kuna,"Das nächste Mal werde ich es dir nicht so leicht machen." Er kramte nach zwei Pokebällen an seinen Gürtel und warf sie Kim zu. "Und jetzt sieh zu, dass du von hier verschwindest", sagte er noch, doch Kim war schon mit Kuna und der Wölfin im Schlepptau durch die Tür gerast.
Die Drei schienen das Glück wahrlich gepachtet zu haben. Wie schon zuvor begegnete ihnen auf den Gängen keine Menschenseele. Immer wieder warf Kim einen misstrauischen Blick über die Schulter. Obwohl der Mann im schwarzen Anzug ausdrücklich gesagt hatte, dass sie verschwinden sollen, konnte sich die Trainerin nicht vorstellen, dass sie nicht verfolgt wurden (dessen war sie sich sogar ziemlich sicher). Sie trieb die anderen beiden zur Eile an und rannte selbst durch das Gebäude, immer Richtung Ausgang. Sie konnte nur hoffen, dass sie wirklich nicht verfolgt wurden. Kuna war von ihrem Kampf erschöpft und brauchte eigentlich eine Pause. Doch sie würden sich noch genug ausruhen können, wenn sie erst einmal hier raus waren.
Nachdem sie endlich das Gebäude verlassen hatten, blieb Kim erst einmal kurz stehen und genoss den Wind in ihrem Gesicht. Sie hasste es, irgendwo eingesperrt zu sein. Sie brauchte die Freiheit und die Luft draußen. Ihr Vater hatte das nie verstanden. Er wollte immer, dass Kim ihm bei seinen Forschungen im Labor half. Doch diese hatte sich schon recht früh von diesen Forschungen distanziert. Ihrem Vater war das Wohl der Pokemon die er erforschte nie wichtiger gewesen als seiner Ergebnisse. Es war zum Glück noch nie ein Pokemon gestorben, doch es reichte aus, ihn bei den berühmten Forschern unbeliebt zu machen, allen voran Professor Eich und Professor Eibe.
Sie stand bestimmt ein paar Minuten reglos vor der Tür, bevor die Wölfin sie schließlich zaghaft am Ärmel zog. Kim atmete tief durch und nickte dann. "Du hast Recht, wir müssen weiter!" Sie wandten sich von dem Eingang aus nach links und umrundeten das Gebäude. Vor ihnen erstreckte sich ein weitläufiger Nadelwald, der sich irgendwo in der Ferne verlor. Kim schluckte und rannte dann hinein. Hoffentlich trafen sie dort irgendwo auf Menschen. Sie hatte ihr gesamtes Gepäck immer noch im Pokemon-Center von Eichenheim liegen und daher hatte sie nichts für eine längere Wanderung in den Bergen dabei. Allen voran ihr warmer und kuscheliger Schlafsack würde ihr hier draußen fehlen. Ihr war schon kalt, wenn sie nur an die kalten Nächte hier draußen dachte. Da half nur Gruppenkuscheln. Kuna hatte von Natur aus eine höhrere Körperwärme als Menschen und war so sicherlich gut als Wärmequelle geeignet.
Die Stunden vergingen, doch sie waren nicht einmal auf einen Weg oder Pfad getoßen. Mittlerweile fing es an zu dämmern und Kim müsste nun ein Quartier für die Nacht suchen. Eine kleine Lichtung schien ideal dafür zu sein. Kim hätte zwar gern ein Feuer gemacht, doch das Licht würde etwaige Verfolger direkt zu ihnen führen und so verzichtete sie darauf. Hoffentlich würde die Körperwärme von Kuna und der Wölfin reichen, um sie warm zu halten.
Die drei machten es sich im Windschatten eines Findlings am Rande der Lichtung gemütlich. Kuna hatte sich eingerollt und Kim kuschelte sich eng an ihr weiches Fell. Es würde eine kalte Nacht werden, obwohl es schon später Frühling war. Sie wusste, dass auf manchen Bergen sogar im Sommer der Schnee nicht schmolz. Die Drei würden sich warm anziehen müssen.
Es dauerte nicht lange und der Mond stand hoch am Himmel. Kuna und die Wölfin waren schon fest eingeschlafen, doch Kim war noch wach und streichelte das Fell der Wölfin. Der Atem stand ihr in kleinen Wölkchen vor dem Mund und feine Eiskristalle durchzogen das Fell der Wölfin. Kim kuschelte sich noch enger an Kuna und blickte dann zum Himmel empor. Ein dicker Wolkenteppich verschluckte die Sterne und ließ nur ganz schwach einen Schimmer Mondlicht erkennen, der sich tapfer durch die Wolken kämpfte. Zumindest wurde es dadurch nicht so kalt, denn die Wolken verhinderten, dass die Wärme ins All verloren ging. Kim lächelte. Das hatte ihr Vater ihr mal erzählt. Ob das stimmte? Es gab so vieles, was sie nicht verstand. Kam die Wölfin wirklich aus einer anderen Welt? Hatte ihr Vater es tatsächlich geschafft, ein Tor in diese Welt zu öffnen? Kim konnte sich das irgendwie nicht wirklich vorstellen. Aber wenn es so war, dann müsste sie die Wölfin zurück in ihre Welt bringen. Denn in dieser Welt würde sie allein nicht überleben. Kims Blick wanderte von dem Wolkenverhangenen Himmel zu der Wölfin. Wenigstens wusste sie jetzt, was sie für ein Wesen war. Höchste Zeit, einen Namen für sie zu finden. Alle ihre Pokemon hatten Spitznamen und auch die Wölfin sollte einen bekommen. Doch was für einen? Kim wusste nicht, wie man in der anderen Welt Wölfe nannte. In dem Moment tat sich eine Lücke in der Wolkendecke auf und ein Strahl hellen Mondlichts stahl sich hindurch direkt auf ihre Lichtung und ließ das Fell der Wölfin silbern leuchten. Kim lächelte. Was für ein schöner Name. Luna.
Kim weckte die anderen beiden schon früh am nächsten Morgen. Sie mussten weiter und Menschliche Zivilisation suchen. Vielleicht gab es hier in den Bergen ja eine verlassene Hütte oder ein kleines Dorf. Doch dazu müssten sie weiter. Zumindest gab es hier wegen der kalten Nächte kaum Unterholz und sie kamen gut voran. Der Schlaf hatte Kuna gut getan und das Vulnona schien nun wieder bei vollen Kräften zu sein. Kim war froh darüber. So hatte sie einer Konfrontation mit einem der Typen zumindest etwas entgegenzusetzen.
Gegen Mittag erreichten sie einen kleinen Bach, der hier in der Nähe seine Quelle zu haben schien. Die Drei machten eine kurze Rast und erfrischten sich in dem kalten Gebirgswasser. Nur Kuna hielt sich, wie immer wenn es um Wasser ging, ein wenig zurück. Das Trio wollte gerade wieder aufbrechen, als sie eine Stimme hinter sich hörten:"Das hier ist Naturschutzgebiet! Was hast du hier zu suchen?"
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