-=- Kapitel 1: Die Begegnung im Wald -=-
Eine leuchtend rote Scheibe war hinter den Bergen im Osten aufgetaucht und ließ den Himmel darüber in rotgoldenen Tönen aufleuchten, während im Westen noch tintenschwarze Nacht herrschte. Nebel hatte sich zwischen die Bäume herabgesenkt und kroch zwischen den mächtigen Stämmen hindurch. Hier und dort riefen noch ein paar Kramurx durch die morgendliche Stille, aber ansonsten blieb es ruhig. Die nachtaktiven Pokemon suchten nun allmählich ihre Schlafstätten auf, während die Tagaktiven noch schliefen und warteten, bis sich der morgendliche Nebel gelichtet hatte.

Trotz der frühen Stunde war Kuna schon auf den Beinen. Irgendetwas hatte das Vulpix aufgeweckt und nun wollte sie herausfinden, was es gewesen war. Die normalen Geräusche des Waldes konnten es nicht gewesen sein, immerhin war es nicht das erste Mal, dass sie draußen übernachten mussten. Vielleicht war es ja ein seltenes Pokemon? Wenn ja musste sie unbedingt Kim Bescheid geben. Aber vielleicht hatte sie das ja auch nur geträumt und daher wollte sie erst sicher gehen, bevor sie ihre Freundin weckte. Also hüpfte sie noch ein wenig verschlafen vom Schlafsack und schlurfte erst einmal zum nahe gelegenen Bach, wo sie ihren Durst stillte und sich ein wenig Wasser ins Gesicht spritzte. Aufgrund ihres Typs genügten schon ein paar Tropfen Wasser, um sie hellwach zu kriegen, was auch Kims bevorzugte Methode war, sie aufzuwecken, wenn sie nicht aufzukriegen war. Nun, da sie wach war, konnte sie endlich nach dem komischen Geräusch von vorhin suchen. Prüfend hielt sie ihre kleine Schnauze in die Höhe. Sie konnte ein paar Pokemon in der Nähe riechen, doch diese gehörten auf jeden Fall in einen Wald. Außerdem noch die reifen Beeren auf den Bäumen um sie herum. Aber ansonsten...

Doch! Da war etwas. Ein fremder Geruch. Aber was war das? So etwas hatte sie noch nie gerochen. Es roch nicht wie ein Pokemon. Es roch irgendwie anders. Was war das nur? Auf jeden Fall war es real und nicht nur ein Traum! Ohne noch länger zu warten flitzte sie zu Kim, um sie aufzuwecken. "Vulpix Vulpix -pix -pix -Vulpix Vul-!" Die Trainerin murmelte ein paar unverständliche Worte und richtete sich dann fluchend auf. "Kuna, was soll das so früh am Morgen?", fragte sie gähnend und streckte sich erst mal genüsslich. "Vulpix Vulpix Vul-" antwortete das Pokemon aufgeregt und zeigte mit der Schnauze in die Richtung, aus der der Geruch kam. Kim seufzte und stand auf. "Na gut, zeig mir, was du mir zeigen willst. Ist es weiter weg? Sonst müssten wir vorher noch das Nachtlager zusammenräumen." Das kleine rote Pokemon schüttelte den Kopf und wies wieder energisch in die schon angewiesene Richtung. Kim seufzte noch einmal und folgte dann ihrem aufgeregten Pokemon.

Kuna führte sie am Bach entlang tiefer in den Wald hinein. Kim wusste, dass das Pokemon sie extra am Bach entlangführte, weil sie dort besser vorankam als im dichten Unterholz und sie war dankbar dafür. Sie wollte schnell wieder in den Schlafsack zurück. Und je weiter sie gingen, desto weicher kam er ihr im nachhinein vor. Andererseits hatte sie als Trainerin die Pflicht nachzusehen, wenn ihr Pokemon was von ihr wollte und so ging sie eben mit und schaute nach, damit sie wieder ruhig schlafen konnte. Außerdem schien das, was es auch immer war, Kuna ziemlich aufzuregen. Also schaute sie sich eben an, warum Vulpix so außer Rand und Band war.
Sie folgten den Bach etwa eine Viertelmeile, bevor Kuna nach rechts ins Unterholz abbog. Hier wurde es schwieriger, dem Pokemon zu folgen, denn tiefhängende Äste und Gestrüpp machten es Kim nicht gerade leicht, schnell voranzukommen. Kurz vor einer kleinen Lichtung blieb Kuna plötzlich stehen und schaute fragend zu ihrer Trainerin. Die hockte sich neben ihr Pokemon und ließ ihren Blick über die Lichtung schweifen.

Auf der ihr gegenüberliegenden Seite lag zusammengerollt ein weißes Pokemon. Doch so eines hatte Kim noch nie gesehen. Es sah ein bisschen so aus wie ein Magnayen oder ein Hundemon, aber genau konnte sie das nicht sagen. Wie von selbst griff sie nach ihrem Pokedex, als ihr einfiel, dass sie den bei ihrem Nachtlager vergessen hatten. So ein Mist. Vielleicht sollte sie das Pokemon einfangen und dann später ihren Pokedex befragen. "Wie siehts aus Kuna, bist du wach genug für einen kleinen Kampf?", flüsterte sie. Das Pokemon nickte und lächelte siegesgewiss. Mit Gebrüll stürmte das Duo auf die Lichtung. Das unbekannte Pokemon zuckte vor Schreck zusammen und starrte unter Schock zu Kim und Kuna. "Schnell Kuna, verbrenne es mit Irrlicht bevor es abhaut!" rief Kim.

Ich holte tief Luft und sandte die kleine blaue Flamme in die Richtung des Pokemon. Es heulte laut auf und begann zu winseln, als sein Pelz Feuer fing. "Schnell Kuna, Ruckzuckhieb!", rief Kim. Ich nahm Anlauf und raste mit Höchstgeschwindigkeit auf das andere Pokemon zu. Es heulte nochmals auf, als ich es mit voller Wucht in die Seite traf. Zunächst war es noch etwas benommen, doch dann fing es an zu Knurren und biss mit gefletschten Zähnen nach mir. Ich konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Das Pokemon erwischte mich mit voller Kraft am Hals. Ich schrie laut auf vor Schmerz. Das war keine normale Attacke, es fühlte sich irgendwie anders an. Kurzerhand verpasste ich ihm eine Glut-Attacke damit es mich losließ. Mit einem Sprung brachte ich mich außer Reichweite und wartete auf weitere Befehle von Kim. Doch das war gar nicht nötig, denn die holte gerade einen leeren Pokeball hervor und warf damit auf das fremde Pokemon. Obwohl es eigentlich genug geschwächt sein müsste, prallte der Ball einfach an ihm ab, als sei es gar kein Pokemon, wie ein Stein oder ein Baum. Verwirrt schaute ich zu Kim, doch die war genauso ratlos wie ich. Währenddessen hatte sich das andere Pokemon oder was immer es war sich wieder aufgerappelt und flüchtete in den Wald.

Kim starrte noch immer auf den Pokeball. Wortlos hob sie ihn auf. Was hatte das nur zu bedeuten? War das wirklich ein Pokemon gewesen? Oder war es etwas anderes? Gab es überhaupt noch andere Lebewesen außer Menschen und Pokemon? Kim wusste es nicht. Sie würde später, wenn sie in der Stadt angekommen war, ihren Vater anrufen und ihn um Rat fragen. Doch bis dahin war es noch eine weiter Weg. Lächelnd drehte sie sich zu Vulpix um. "Komm Kuna, wir gehen."


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