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-=- Epilog -=-
Obwohl die Sonne bereits hoch am Himmel stand, herrschte in der Höhle Dunkelheit. Nur selten verirrte sich ein Sonnenstrahl durch das dichte Wurzelwerk und tauchte sie in sanftes Zwielicht. Der weiße Pelz der Wölfin hob sich deutlich von der dunkelbraunen Erdwand ab.
Lureyla hatte erschöpft den Kopf auf die Vorderläufe gelegt. Die Kleinen hatten es gut überstanden. Jetzt schliefen sie dicht an sie gekuschelt und träumten. Ihre winzigen Pfötchen zuckten im Schlaf. Liebevoll hob die Fähe den Kopf und leckte ihnen über den im Vergleich zum Körper riesigen Kopf. Noch vermochten sie gerade mal diesen zu heben, um an ihre Milch zu gelangen. Doch bereits in ein paar Wochen würden sie groß genug sein, um die Höhle zu verlassen.
Die Mutterwölfin legte wieder den Kopf auf die Pfoten und beobachtete ihre Welpen beim Schlafen. Alles war gut.
Noch ein wenig verschlafen öffnete Kim die Augen. Die Morgensonne tauchte das Zimmer in warme rot- und orangetöne und malte mit den Bäumen vor dem Fenster tanzende Schatten an die Wand. Bis auf einige Taubsi, die bereits zu dieser frühen Stunde munter waren und ihr Lied sangen, war es ruhig.
Das Mädchen lag noch einige Augenblicke so da, bis sie es schließlich aufgab, wieder einschlafen zu wollen, und sich gähnend aufrichtete. Kuna blickte ein wenig verschlafen von ihrer Decke auf.
„Schlaf noch ein wenig“, flüsterte Kim mit einem Lächeln und das Pokemon legte den Kopf wieder auf die Pfoten. Leise zog sich die Trainerin an und schlüpfte dann durch die Tür.
Ihre Schritte hallten leise von den Wänden wieder, als sie den Flur entlangging. Auch hier hatte die Sonne bereits Einzug gehalten: Goldene Lichtbahnen aus Sonnenlicht fielen schräg durch die Fenster und reflektierten sich in dem blank polierten Holzfußboden. Tausende kleine Staubteilchen wirbelten in der Luft umher.
Kim folgte dem Gang und ging dann eine breite Wendeltreppe hinunter ins Erdgeschoss des Gebäudes. Der lange Tresen, an dem normalerweise Besucher empfangen wurden, war verlassen. Annika schlief wohl auch noch.
Ohne die Stille zu stören, glitten die Schiebetüren sanft zur Seite, als Kim sich ihnen näherte. Tief durchatmend ging sie ins Freie. Die Sonne stand bereits über den Baumwipfeln und wärmte ihr Gesicht. In der Nähe plätscherte ein Bach durch das Unterholz. Alles war so friedlich hier. Sie hatte diesen Ort vermisst.
Langsam ging sie in Richtung Bach. Auf einem Stein an dessen Ufer saß jemand. Kim lächelte. Sie hatte gewusst, dass er hier sein würde. Sie erkannte die zerwuselten schwarzen Haare sofort.
„Guten Morgen“, begrüßte sie ihn.
Die Person auf dem Stein drehte sich langsam zu ihr um. Auch auf seinem Gesicht war ein Lächeln zu sehen. Wortlos machte er ihr Platz auf dem Stein und Kim setzte sich neben ihn. Es war ein gutes Gefühl, in seiner Nähe zu sein.
„Sie werden mich entlassen“, flüsterte er, ohne eine Miene zu verziehen.
Erschrocken wandte Kim sich ihm zu. „Das kann doch nicht..?“
Keno schüttelte den Kopf, dann sah er sie an. „Ich darf ihnen nicht erzählen, was passiert ist“, sagte er leise, „Da ich ihnen keine Erklärung dafür liefern kann, bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig. Patricio und deinen Vater werden sie auch laufen lassen müssen. Das ist wirklich eine Schande, obwohl es mich in dem Fall von deinem Vater natürlich freut.“
Kim sah ihn immer noch ungläubig an. „Das können sie doch nicht wirklich tun! Patricio hat beinahe... Mein Vater hat... Du hast...“ Ihre Stimme brach weg. Das war so ungerecht! Patricio und ihren Vater ließen sie laufen, während Keno seinen Fangkom abgeben musste. Sie fühlte sich so hilflos. Das war alles ihre Schuld... Tränen stiegen in ihre Augen und verschleierten ihr die Sicht.
Keno legte tröstend seinen Arm um sie. Trotzig wischte sie sich mit den Ärmeln über die Augen. Wie peinlich. Eigentlich sollten doch Keno die Tränen in den Augen stehen und nicht ihr. Sie musste Lächeln.
„Woran denkst du gerade?“, fragte er, als er ihr Lächeln sah. Kim schüttelte nur den Kopf und schmiegte sich dann an ihn. Er war so wunderbar warm.
Schweigend lauschten sie dem Morgenlied der der Taubsi. Der Bach murmelte zu ihren Füßen eine kleine Geschichte. Glitzernd brachen sich Sonnenstrahlen in dem Wasser. In der Nähe raschelte ein Pokemon durch das Laub.
Plötzlich konnte Kim seinen Atem ganz nahe an ihrem Ohr spüren. „Ich liebe dich“, flüsterte er leise. Sie sah ihn an. Ihr Herz raste unkontrollierbar und machte Salto um Salto. Sie vergaß zu atmen und ihre Lippen bebten. Dann küsste er sie.
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